Viele Menschen fragen: Was bedeutet eigentlich «koscheres» Essen? Dass Schweinefleisch nicht «koscher» ist, wissen die meisten. Aber damit hört das Wissen über den Begriff auch auf.
Bevor wir auf die Speisegesetze (Kaschrut) eingehen, möchten wir erklären was «koscher» überhaupt bedeutet.
Dieses Wort stammt vom hebräischen
«cascher» und heisst
«gut» oder
«angemessen». Heute wird es oft mit der Bezeichnung
«rein» übersetzt. Uebrigens werden auch Personen, die geeignet sind, als Zeuge aufzutreten, als
«koscher» bezeichnet.
Alle Speisen, die für Jüdische Menschen nicht erlaubt sind nennen wir
«treve».
«Treve» ist hebräisch und bedeutet soviel wie
«zerrissen, zerfleischt».
Im 2. Buch Mose 22, 30 heisst es: Darum sollt ihr kein Fleisch von auf dem Felde zerrissenen Tiere essen.
Alle so getöteten Tiere sind verboten, und das Wort
«treve» wurde dann sinngemäss auf alle verbotenen Speisen übertragen, (im Sinn von unrein.)
Fehlt noch die Bezeichnung
«parve», ein jiddisches Wort für
«neutral».
Fische (mit Flossen und Schuppen,) sowie alles, was in der Erde wächst, und Speisen, die nichttierischer Herkunft sind, (milchfreie Cremen, und Produkte aus Soja) sind
«parve».
Koscher Essen heisst also, die Speisegesetze (Kaschrut) einzuhalten. Grundregel ist, milchiges mit fleischigem, (Begriffe aus dem Jiddischen) nicht zu vermischen. Das heisst im Klartext, dass keine Milchprodukte zusammen mit Fleisch gegessen werden dürfen.Keine Rahmschnitzel, keine Cheesburger, das ist für manche sicher unvorstellbar. Aber das ist nur eine Gewohnheitssache, denn bekannterweise ist die jüdische Küche sehr lecker.
Und für Saucen gibt es so viele andere Zubereitungsarten. Wie mir kürzlich ein Hobbykoch erklärte, eignet sich die Kokosmilch hervorragend als Grundsauce für viele feine Gerichte.
Unter die verbotenen Speisen fallen Tiere, die keine zweigespaltenen Hufe haben, und keine Wiederkäuer sind, wie Schwein, Kaninchen, Hase, Pferd, usw..(Geflügel ist allerdings erlaubt,) sowie Fische und Meerestiere, die keine Flossen und Schuppen haben, wie Stör, Wels, Aal, Muscheln, Austern, Krabben usw. Froschschenkel, Schnecken und Insekten sind auch verboten.
Dementsprechend muss auf viele Lebensmittelzusätze geachtet werden, die tierische Produkte enthalten, wie Gelatine, manche Farbstoffe, einige Emulgatoren usw.
Die koscheren Gummibärchen von Haribo werden übrigens mit Fisch-Gelatine hergestellt, und schmecken hervorragend.
Der Genuss von Blut ist verboten. Deshalb müssen die Tiere nach dem Schächten ausgeblutet werden.
Zu medizinischen Zwecken und im Notfall, (Bluttransfusion,) ist Blut allerdings erlaubt, wie auch die Sabbat-Verbote im Notfall generell aufgehoben sind.
Schliesslich können wir nicht mit ansehen, wie das Haus des Nachbars am Sabbat abbrennt, nur weil ich an diesem Tag keine Arbeit verrichten darf.
Interessant wäre noch, dass Milchprodukte und Fleisch in verschiedenen Töpfen und Pfannen zubereitet werden. Eine koschere Küche hat alles doppelt: Kochutensilien und Zubehör, Geschirr und Besteck. Das klingt kompliziert, ist es aber nicht, wenn man daran gewöhnt ist.
Orthodoxe und konservative Juden halten sich an die Speisegesetze, wenn gleich es unterschiedliche Meinung über die Einhaltung gibt. Vor allem konservative Juden legen die Kaschrut oft weniger streng aus.
Reformierte oder liberale Juden empfinden viele Gesetze als veraltet, und nicht mehr zeitgemäss, und sie überlassen die Entscheidung über das
«koschere Essen» jedem einzelnen selbst.
Die meisten von ihnen lehnen aber auch Schweinefleisch ab, und trennen milchiges
von fleischigem.
Im übrigen gibt es bei den Jüdischen Menschen – wie in allen Religionen auch – Menschen, die ihren Glauben leben, und solche, die es nicht tun.
Die ist ein kleiner, sicher nicht vollständiger Ueberblick über das
«koschere Essen».